News
-
Auszeit
Erholen Sie sich vom Feiertags-Stress - Euro 210,00 pro Person im Erika-Stammhaus - (buchbar Januar und Febraur 2012 nach Verfügbarkeit)
-
Marathon im Endstadium
Sternekoch Karl-Emil Kuntz und sein kulinarischer Kraftakt im Dienste des Bundespräsidenten - Speisen stehen Pate für die Region
-
Unsere Lieblinge des Jahres
Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis: „Pfälzer Stube“ im Hotel „Krone“ in Herxheim mit Chefkoch Karl-Emil Kuntz
-
Geschmacksache: Das Salz von der Pfalz
Karl-Emil Kuntz von der „Krone" in Herxheim ist in der schönen Lage, bei sich selbst in die Schule gehen zu können: Der Gourmetkoch lernt vom Regionalkoch.
-
Wanderführer Helmut Laux
Helmut Laux, geboren 1947 in Herxheim, konnten wir als kundigen und erfahrenen Wanderführer für Sie engagieren!
Geschmacksache: Das Salz von der Pfalz

Sicher, da sind die vielen Stammkunden der „Krone", deren Erwartungen ein alter Familienbetrieb unmöglich enttäuschen kann. Aber auch bei ihnen gibt es Veränderungen, weil ein üppiges Menü à la Kuntz auch schon einmal etwas Anstrengendes hatte. Man musste also leichter werden, und - mon Dieu! - die ständige Ideenflut kanalisieren. Oder vielleicht asiatischer, weil doch so viele der bekannten Kollegen damit reüssieren? Und was ist mit dem Regionalen, das seine Generation von Köchen oft so gut beherrscht, aber doch nie so richtig ernst nimmt?
Kuntz ist Deutschlands vielleicht bester Koch für die traditionellere Regionalküche. Was er hier bietet, ist so fein wie vielseitig und von überlegener Machart. Einen geradezu großen Wohlgeschmack hat selbst ein Törtchen vom Saumagen mit Gurkensalat, Brunnenkresse, feinen Stäbchenvon Radieschen und Schalottenmarmelade. Oder der gelierte Kalbskopf mit Ofentomaten und Schaum von Pfälzer Kartoffeln, bei dem der Schaum wie eine Essenz der Kartoffel schmeckt - inklusive eines Hauchs von Bratkartoffelaroma. Es gibt den Schweinebauch mit Senf-Krautsalat und einer Speck-Vinaigrette, die Phantasie von Matjes und Roter Bete mit Mousse von Pfälzer Spargel oder die Kalbswange mit der wunderschönen Kombination von Foie gras, Apfel, Zwiebel und Karottenstampf.
Dies ist keineswegs ein Sammelsurium von Probatem. Die Kreativität von Kuntz entwickelt sich bei den Regionalia nicht so sehr im Offensichtlichen, sondern in seiner aromatischen Vorstellung und einerdaraus folgernden Kombinatorik. Diesen Kreationen fehlt einfach jede Trivialität. Kuntz ist ein Gestalter, der jede einzelne Zubereitung so zusagen formuliert. Gerade bei seinen regionalen Gerichten scheint er über eine eigene Grammatik zu verfügen, die sehr komplexe Geschmacksbilder entstehen lässt. Als genuines Talent braucht er dazu auch keine Theorie und keine plakativen Überschriften.
Und was sagt er, wenn jemand meint, seine Regionalküche (die er im Zweitrestaurant, den „Pfälzer Stuben", präsentiert) sei mindestens genauso gut wie seine Gourmetküche? Nichts. Kuntz sitzt ebenauf zwei Stühlen, und eine Bedingung für Stabilität ist natürlich, dass sie gleich hoch sind.
Der Meister ist dabei, auch seine Gourmetküche kompakter und zwingender zu gestalten, also ein Produkt weniger durch eine große Zahl von Variationen zu um spielen als näher zu definieren. Das ist beispielsweise der Glattbutt mit einer Garnelenkruste, Eischaum, Linsengeleeund Ochsenzunge, eine Kreation, bei der klassische Aromenkombinationen dezent weiter angereichert werden. Die Proportionen von Fisch und (Schaum-) Kruste sind natürlich perfekt, der Eischaum ist aromatisch makellos und ohne jede Nebennote. Die Kombination von Linsen und Stückchen von der Ochsenzunge hat eine prächtige Würze, die auch noch von einem hervorragenden klassischen Beurreblanc unterstützt wird. Kuntz produziert hier eine aromatische Breite ohne jede Ablenkung in Form von texturellen oder aromatischen Kontrasten.
Das klingt nach einem für die Klassik typischen Mischakkord, in dem sich schnell alle Details verlieren. Es ist aberanders. Kuntz schafft es, um das Hauptprodukt so etwas wie eine Anzahl von Ringen zu legen, deren Entfernung vom Hauptprodukt geradezu transparent wird.Das wiederum funktioniert nur, weil auch in diesem Gericht aus der Gourmetküche die Grammatik stimmt, die den besten regionalen Gerichten die faszinierende Qualität gibt. Könnte es sein, dass es für den Meister von Vorteil wäre, dieganze Natürlichkeit und Individualität seines Zuganges in der Regionalküche der Gourmetküche zugute kommen zu lassen? Es sieht danach aus.
Der Saibling mit geliertem Pulpo, Kräuter-Tapioka und einem Fenchelconfit entwickelt zunächst einmal ein wunderbar jodiges Aroma über Kräuter und Algen der Tapioka-Zubereitung. Alles ist auf seine Weise perfekt, aber sehr „dicht". In der Fußballsprache: Hier wurden die Räume zugestellt. Aromatische (und auch texturelle) Dichte gewinnt aber nur dann ihre optimale Wirkung, wenn sie gestaffelt ist, wenn jedes Element, ob im Vorder- oder Hintergrund, sein Quentchen Raum hat, um die Beziehungen zu den anderen aufzubauen.
Es folgt eine im Prinzip ebenfalls wunderbareTaube in einem Biskuitmantel, der weitaus besser strukturiert ist als ein üblicher Teigmantel. Sie wird begleitet von diversen Texturen von Sellerie sowie einer prägnanten Trüffelsauce und bietet - typisch für die aktuelle Phase von Kuntz mit einer Vadouvan-Sauce ein originelles, interpretatorisch sehr wirksames Element. Ist dies der Anschluss an die Spitze? Erweist sich Kuntz also als „alter Wilder", als Hansdampf in allen Casserolen? Ja und nein. Am besten ist Kuntz, wenn er ganz bei sich ist, seine Grammatik durchhält, das erkennt und macht, was nur er kann. Und: Wie schön, die Dinge sind alle schon im Haus. Eine merkwürdige Konstellation ist das: bei sich selbst zu lernen. Fassen wir alsoden geheimen jugendlichen Helden und die unausweichliche Institution zusammen. Hier arbeitet ein Charakterkoch.
Bericht von Jürgen Dollase; FAZ Feuilleton, Seite 34-Samstag, 24. Juli 2010





